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Jeder sollte mal in Barcelona gewesen sein. Aber ich als Spanien-Liebhaberin habe es noch nicht geschafft. Irgendwie bin ich einfach nie dazu gekommen. Bis jetzt. Ein gutes Angebot lockt uns schließlich in die katalonische Hauptstadt. Wir haben eineinhalb Tage. Geplant waren die Standard-Sehenswürdigkeiten und ein bisschen einheimisches Flair an Orten, die vielleicht nicht jeder kennt, zu erleben. Weiter als zu den Standard-Sehenswürdigkeiten kommen wir allerdings nicht…

Hinweis: Wir haben diese Reise selbst bezahlt, alle Empfehlungen beruhen auf unserer eigenen Meinung.

Sehenswürdigkeiten

Las Ramblas

Wir beginnen unsere Barcelona-Tour auf Las Ramblas. Sie verläuft über einen Kilometer von der Plaça de Catalunya bis zum Hafen und ist eine der bekanntesten Straßen sowie ein Wahrzeichen Barcelonas. Es gibt jegliche Shopping-Läden, die man sich nur vorstellen kann. Allerdings sind wir beide keine Shopping-Fans, daher können uns die Einkaufsläden an der Straße nicht locken.  In der Mitte der Straße befindet sich eine Fußgängerzone mit kleineren Büdchen, die beispielsweise Blumen und Souvenirs verkaufen.

Sagrada Familia

Die Sagrada Familia liegt im Stadtteil Eixample. Gaudí hat diese Basilika im Stil des Modernisme erbaut. Naja, vielmehr hat er damit 1882 angefangen. Doch bis heute ist der Bau nicht vollendet. Daher die Baukräne. Momentan ist geplant, die Kirche 2026 zu Gaudís 100. Todestag fertigzustellen. Auch hier ist uns der Eintritt zu teuer.

Bunkers del Carmel

Längst kein Geheimtipp mehr (leider). Bunkers del Carmel ist eine ehemalige Militärbasis mit Abwehrgeschützen gegen Flugzeuge aus dem Jahr 1937. Von hier aus hat man definitiv einen wunderschönen Ausblick über die ganze Stadt – vielleicht sogar den schönsten. Durch die zunehmende Popularität ist es allerdings mitunter sehr voll.

Zu erreichen ist der Aussichtspunkt mit einem 15-minütigen Fußmarsch vom Park Güell aus. Einfach der Carrer de Mühlberg folgen. Oder ihr fahrt mit der Metrolinie L5 bis El Carmel und lasst euch von dort aus zur Carrer de Mühlberg navigieren. Am schönsten ist der Ausblick bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Ihr blickt über alle Häuser, Bauwerke und Parks bis zum Meer.

Casa Batllò

Wir laufen also die Ramblas entlang, bis zur Casa Batllò am Passeig de Gracia, knapp einen halben Kilometer oberhalb der Plaça de Catalunya. Antonio Gaudí hat das Haus, das ursprünglich an dieser Stelle stand, im Auftrag D. Joesp Batllós umgebaut. Besonders die farbenfrohe Fassade ist bezeichnend. Sie steht für die Legende des Heiligen Georg (Sant Jordi). So soll beispielsweise das Dach die Schuppen des Drachen darstellen, gegen den der Heilige Georg gekämpft hat, das Kreuz auf dem Dach Georgs Lanze. Die Balkone sind sehr verschnörkelt, alles ist wellenartig gehalten. Trotz allem sind uns 21,50 Euro (Stand: März 2018) ein zu stolzer Eintrittspreis, um das Haus von innen zu erkunden.

Casa Milà

Die Casa Milà befindet sich ebenfalls am Passeig de Gracia und ist ebenfalls ein Bauwerk von Gaudí. Er hat das Haus nach vierjähriger Arbeit im Jahr 1910 im Auftrag der Familie Milà fertiggestellt. Interessant: Das Haus verfügt über eine natürliche Belüftung, sodass keine Klimaanlagen nötig sind. Außerdem kann man in jeder der Wohnungen die Wände verschieben. Denn im gesamten Haus gibt es dank der Stahl-Beton-Konstruktion keine tragenden Wände. Bevor Gaudí sich an den Bau der Sagrada Familia machte, war die Casa Milà sein letztes Meisterwerk.

Park Güell

Wie sollte es anders sein – natürlich ist auch der Park Güell von Gaudí erschaffen worden. Er liegt im Stadtbezirk Gràcia und ist etwa 17 Hektar groß. Als wir im März 2018 ankommen, ist der Park leider eine große Baustelle, deshalb sehen wir nicht allzu viel. Einige Bereiche sind sogar komplett gesperrt. Was wir gesehen haben, war trotzdem beeindruckend. Die Architektur ist dem hügeligen Geländer angepasst, Unebenheiten werden zum Beispiel durch Terrassen ausgeglichen. Natürlich ist der Stil typisch verschnörkelt und farbig. Überall findet ihr bunte Mosaik-Tiere und farbenfrohe Mauern.

Die Verfolgungsjagd

Es passiert an der Sagrada Familia. Wir schlendern ein wenig durch den der Kirche vorgelagerten Park an der Plaça de la Sagrada Familia, machen einige Fotos und setzen uns dann auf eine Bank. Fataler Fehler: Ohne darüber nachzudenken, stellen wir unseren Rucksack neben uns, Michas Arm liegt schützend darüber. Im Rucksack: Meine neue Kamera.

Der Schlüsseltrick

Wir ruhen uns ein bisschen aus, quatschen. Dann läuft ein Mann an uns vorbei. Er lässt seinen Schlüssel fallen. Aus Reflex schauen wir auf den Schlüssel. Micha ruft „Hey! You lost your key!“ Dann schauen wir dem Mann hinterher. Doch der reagiert nicht. In dem Moment schalte ich. Etwas stimmt nicht. Ich reiße den Kopf zum Rucksack herum, aber der ist nicht mehr da. „Wo ist der Rucksack?“, frage ich panisch. Micha denkt, ich verarsche ihn. Von wegen. Wir wurden bestohlen – in nur wenigen Sekunden.

Wir entdecken den Komplizen

Erschrocken springen wir auf, schauen uns um und versuchen, den Mann mit unserem Rucksack in der Menge auszumachen. Nichts. Allerdings kann Micha in der Menschenmenge den Mann wiedererkennen, der den Schlüssel hat fallen lassen. Er rennt ihm hinterher. Ich will ihm folgen, aber er bedeutet mir zu warten.

Wir nehmen die Verfolgung auf

Ich verfolge den Typ, der den Schlüssel fallen lassen hat. Ganz unauffällig auf der anderen Straßenseite. Mit Kapuze und Sonnenbrille. Wie im Film. Bis er sich ein Taxi heranwinkt. Das muss ich verhindern und gebe mich deshalb zu erkennen.

Wir beschimpfen uns auf Spanisch

Ich brülle ihn auf Spanisch an, er soll mir meinen Rucksack zurückgeben, er brüllt zurück und rennt los. Ich hinterher. Durch Straßen, über Kreuzungen, durch Gassen und schließlich Hinterhöfe. Währenddessen brüllen wir uns weiter an. Ich rufe, dass ich ihn so lange verfolge, bis er den Rucksack herausrückt. Manchmal behauptet er, er wisse nichts von einem Rucksack. Dann aber zückt er ständig sein Handy und telefoniert mit seinem Komplizen, der angeblich den Rucksack hat. Er ist wohl nicht sonderlich helle, ihm fehlen einige Zähne und er spricht ziemlich abgefucktes Gossen-Spanisch.

Ich habe sein Handy

Nach einem weiteren Telefonat mit seinem Komplizen sagt er mir, dass der andere den Rucksack an der Sagrada Familia bei einem Kiosk abgibt. Aber ich lasse mich nicht verarschen. Ich will selbst mit dem Komplizen reden. Und der Vollidiot gibt mir tatsächlich sein Handy. Ich sehe, dass der Komplize unter dem Namen „Junior“ eingespeichert ist – sein Sohn also. Ein Familiengeschäft. Junior sagt allerdings nichts zu mir und legt einfach auf. In dem Moment realisiere ich, dass der Trottel mir gerade sein Handy gegeben hat: „Pass auf. Das sieht jetzt aus wie folgt: Ich habe dein Handy und ich will meinen Rucksack. Du kriegst das Handy, wenn ich den Rucksack habe.“

Die Guardia Civil ist machtlos

Plötzlich wendet sich die Stimmung. Der Typ wird aggressiv, greift nach dem Handy, schreit herum. Ich gehe einen Schritt zurück und merke, dass wir vor einer Polizeiwache der Guardia Civil stehen, vor der ein Beamter herumläuft. Ich winke ihn heran und erkläre ihm alles. Der Dieb behauptet allen Ernstes, ich hätte sein Handy gestohlen. Obwohl der Polizist weiß, dass ich Recht habe, dass der Typ, der in der Anrufliste ganz oben in diesem Handy steht, meinen Rucksack hat, muss ich das Handy zurückgeben und der Dieb kommt ungestraft davon. „In diesem Moment liegt keine Straftat vor“, sagt der Polizist bedauernd. Immerhin gehen wir beide mit auf die Wache und er nimmt unsere Daten auf. Der Dieb kann sich nicht mal richtig ausweisen. Das spricht wohl für sich. Damit die Straftat verfolgt werden würde, müssten wir aber noch bei der normalen Polizei Anzeige erstatten. Erstmal renne ich zurück zu Lisa, die ja immer noch vor der Sagrada Familia wartet. Vielleicht haben wir ja Glück und der Rucksack wurde wirklich abgegeben.

Und dann stehe ich da. Auf der Placa de la Sagrada Familia. Und warte. Doch Micha kommt nicht wieder. Ewig nicht. Ich laufe mehrmals um den Platz herum, schaue in einige Mülleimer, in der Hoffnung, der Dieb hat unseren Rucksack vielleicht in einen von ihnen entsorgt und Wertloses darin gelassen. Fehlanzeige.

Ich irre verloren umher. Irgendwann muss er doch mal wieder kommen! Spanier sprechen mich an und sagen, sie haben den Typ gesehen, der uns beklaut hat. Sie beschreiben ihn mir zur Sicherheit. Man weiß ja nie. Dann gehen sie weiter.

Ich warte immer noch. Und mache mir langsam ziemliche Sorgen. Was, wenn ihm was passiert ist? Was, wenn die Typen irgendwo in einem Hinterhof auf den Komplizen gewartet haben und Micha ihnen in die Arme gelaufen ist?! Ich habe kein Handy dabei, um ihn zu erreichen. Auch mein Ausweis und alles andere Wichtige (bis auf die Kamera) ist auf dem Hotelzimmer… von dem Micha den Schlüssel hat… Ich weiß nicht, wie lange ich letztendlich warte. Es kommt mir vor wie Stunden. Dann kommt er endlich um die Ecke gerannt und erzählt mir, was passiert ist.

Wir ziehen weiter

Wir entscheiden uns letztlich gegen eine Anzeige, um wenigstens den Rest des letzten Tages in Barcelona noch genießen zu können.

Bevor wir die Sagrada Familia hinter uns lassen, fragen wir aber an jedem Kiosk nach, ob zufällig ein Rucksack abgegeben wurde. Natürlich nicht. Tja, wir dachten eigentlich, wir wären klüger als das. In Zukunft gehen mein erster Blick und mein erster Griff sofort zu meiner Tasche, wenn mich jemand anspricht oder anrempelt oder was auch immer mir verdächtig vorkommt. Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich.

Zurück in Deutschland deckt unsere Versicherung leider keinen Trickdiebstahl ab. Zumal uns vermutlich sowieso die Anzeige bei der Polizei gefehlt hätte…

Hinweis

Da meine Kamera ja nun leider gestohlen wurde, sind die Bilder in diesem Beitrag ausnahmsweise von pixabay.

Trickdiebstahl verhindern

Die meisten Dinge, die man tun kann, um Trickdiebstahl zu verhindern, sind banal. Außerdem glaubt man, dass man diese Dinge sowieso schon macht. So ging es uns jedenfalls. Trotzdem gab es diesen einen Moment, in dem wir abgelenkt waren und uns auf eine echt dreckige und Freundlichkeit ausnutzende Weise bestehlen lassen haben.

Hier sind ein paar Tipps, wie ihr euch besser vor Trickdiebstahl schützen könnt. Klickt auf die jeweilige Kategorie, um mehr zu erfahren:

Macht Kopien

Kopiert vor der Reise eure wichtigsten Dokumente: Ausweis, Impfausweis etc. Nehmt dann die Kopien mit und lasst die Originale im Hotelsafe. Oder schickt euch eine E-Mail mit den eingescannten Dateien zu. Solltet ihr bestohlen werden, könnt ihr euch so immer noch ausweisen.

Nehmt nur das Nötigste mit

Am besten ihr tragt nur so viel Geld bei euch, wie ihr an diesem Tag braucht, keine Ausweise, Hausschlüssel oder Sonstiges, was ihr nicht braucht. Das könnt ihr besser im Hotelzimmer im Safe lassen. Und den Schlüssel vom Hotelzimmer tragt ihr möglichst nahe bei euch.

Nutzt keine Hosentaschen

Wertsachen (Handy, Portemoinnaie) sollte man nicht in der Gesäßtasche aufbewahren. Da kommen die Diebe viel zu schnell dran und ehe ihr euch verseht, ist alles weg. Besser: Bewahrt alles, was geht, in Innentaschen möglichst nah am Körper auf. Das gilt auch für Kameras – steckt die besser nicht wie wir in den Rucksack, damit sie keiner sieht. Denn ehe ihr es mitbekommt, ist der Rucksack weg…

Legt euer Handy nicht auf den Tisch

Ihr solltet eure Wertsachen in Cafés, Restaurants etc. niemals auf den Tisch legen. Klingt logisch, aber wie oft holt ihr am Tisch doch mal das Handy raus und legt es kurz zur Seite, um etwas zu trinken?

Tasche zu!

Handtaschen und Rucksäcke immer schließen und am besten vor dem Körper tragen.

Kettet eure Rucksäcke an

Ihr solltet eure Handtaschen und Rucksäcke besser nicht auf den Boden oder einen freien Stuhl stellen, auch nicht an den Stuhl hängen, sondern immer direkt neben euch stellen. Das hat in unserem Fall allerdings noch nicht ausgereicht. Besser: Die Taschen irgendwo einhaken oder anders befestigen. Zum Beispiel an Stuhl- oder Tischbeinen.

Seid keine Touristen

Fallt nicht als Touristen auf. Wenn ihr auf eine Karte gucken wollt, dann macht das unauffällig, während ihr in einem Restaurant oder Café sitzt, nicht auf offener Straße.

Vorsicht vor gängigen Tricks
  • Achtung bei Hutspielern, Handlesern etc.! Diese Leute scheren geschickt eine große Menschenmenge um sich herum, indem ein Komplize den interessierten Touristen gibt. Die Aufmerksamkeit ist dann so sehr auf die vermeintliche Attraktion gerichtet, dass ihr gar nicht mitbekommt, wie schnell ihr ausgeraubt werdet.

 

  • Vorsicht ist auch in der Metro geboten. Hier wird des öfteren eine Art Schubserei provoziert. Ein Dieb bleibt vor euch stehen, sein Komplize drängt von hinten nach. Ein weiterer Komplize wird mit euch „eingeklemmt“ und greift zu. Einem Freund von uns wurde so sein Sonnenbrillenetui gestohlen. Im Gedränge also besser gleich die Hände an die Wertsachen.
Seid im Zweifel nicht zu freundlich

Nicht zuletzt gibt es etliche Tricks, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ausnutzen, wie der oben genannte Schlüssel-Trick, der auch bei uns funktioniert hat.

Auch eine beliebte Masche: Taschendiebe geben sich als Touristen aus, breiten einen Stadtplan vor eurer Nase aus und bitten um Hilfe. Gleichzeitig wandert die andere Hand in Richtung eurer Wertsachen.

Sobald ihr angesprochen werdet, euch eine Situation komisch vorkommt oder sich sonst Menschen nähern, ist es immer ratsam, die Wertsachen im Auge zu behalten.

All diese Dinge weiß man eigentlich. Dennoch: Wenn man gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist oder abgelenkt wird, ist der Griff oder Blick zur Tasche nicht unbedingt Gewohnheit.

Was, wenn es doch passiert

Solltet ihr trotz allem bestohlen werden, lauft dem Dieb nicht hinterher, so wie es Micha gemacht hat. Das ist zu gefährlich.

Sucht stattdessen die nächste Polizeiwache und erstattet Anzeige. Sperrt sofort eure Kredit- und Girokarten. Sollten euch wichtige Papiere fehlen, wendet euch an die Deutsche Botschaft.

Und denkt daran, eure Airline zu fragen, welche Papiere ihr benötigt, falls euer Pass fehlt und ihr vorher keine Kopie gemacht habt. Ohne gültigen Ausweis nehmen die nämlich niemanden mit.

Wenn ihr also das nächste Mal in Barcelona seid, lasst euch besser nicht beklauen. 😉

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