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El Salvador Lisa und Micha

Feuchte Hitze, verriegelte Autotüren und Männer mit Gewehren. Das ist das erste, was wir nach 18 Stunden Reise von Düsseldorf über Frankfurt und Toronto am Abend unserer Ankunft in El Salvador wahrnehmen.

Lest hier den ersten Teil unseres Reiseberichts über unseren zehntägigen Urlaub in El Salvador. Im ersten Teil erfahrt ihr, wie wir San Salvador, die Hauptstadt des Landes, wahrgenommen haben. Im zweiten Teil geht es um Strände, Dörfer und Wasserfälle, die wir besucht haben. Wollt ihr noch mehr Tipps rund um El Salvador, lest doch auch unser Interview mit einer Einheimischen.

 

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Man hört viel über das kleine zentralamerikanische Land am Pazifik, das gerade einmal in etwa so groß ist wie Hessen. Vor allem viel Negatives: Das Auswärtige Amt warnt vor einer sehr hohen Kriminalitäts- und Gewaltrate durch Jugendbanden. Die Medien sind voll von Berichten über grausame Entführungen, Vergewaltigungen, Morde. Zudem gibt es Statistiken darüber, dass in El Salvador bereits seit Jahren eine der höchsten Mordraten der Welt pro 100.000 Einwohner vorherrscht.

Was also wollen wir an diesem von vielen als eines der gefährlichsten Länder der Welt eingestuften Fleck Erde?

Ganz einfach: Wir sind der Liebe wegen gekommen. Freunde von uns heiraten hier, denn die Braut kommt von hier, hat Familie und Freunde hier. Und wenn wir schon mal da sind, wollen wir natürlich wissen: Ist El Salvador wirklich so schlimm wie sein Ruf? So viel sei vorweg genommen: Wir haben unseren Urlaub überlebt und sind munter und gesund nach zu Hause zurückgekehrt. Das gilt für alle 11 Deutschen der Hochzeitsgesellschaft, die angereist sind und mit denen wir unsere Zeit dort verbracht haben. Vielleicht bildet man sich seine Meinung auch viel zu häufig nur durch Vorurteile. Wir haben unsere jedenfalls durch Erfahrung ersetzt.

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Kaum einer kommt, um zu bleiben

Als wir aus dem Flugzeug aussteigen, sind wir fast die einzigen, die durch die Passkontrolle gehen. Alle anderen haben Anschlussflüge und sind nur zum Umsteigen in El Salvador gelandet. Auch der Mann an der Passkontrolle guckt uns irritiert an.

Ob wir keinen Anschlussflug haben, fragt er.

Nein, haben wir nicht.

Warum wir uns El Salvador ausgesucht haben, will er wissen und freut sich, dass wenigstens wir gelandet sind, um zu bleiben. Wir finden die Leere im Ankunftsbereich gut. Denn wir waren selten so schnell durch die Passkontrolle durch und haben noch seltener so schnell unser Gepäck vom Band bekommen.

El Salvador Flugzeug

Nachdem wir in San Salvador gelandet sind und aus dem Flughafen mit diesem gigantischen Namen (Aeropuerto Internacional de El Salvador Monseñor Arnulfo Romero) an die frische Luft treten, ist es schon dunkel. Und es regnet. Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Nichtsdestotrotz sind noch schnuckelige 26 Grad und nach der langen Reise ist uns eigentlich eh alles egal. Wir wollen nur schlafen.

Unser im Voraus gebuchter privater Taxifahrer verriegelt sofort nach dem Einsteigen die Türen und bringt uns in unser Hotel, Hotel Cinco*, in San Benito, einem gehobenen Viertel in der Hauptstadt des Landes, San Salvador.

Vor unserem Hoteltor steht ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann.

Und nicht nur dort, eigentlich stand vor jedem Tor, das wir während der Taxifahrt gesehen haben, ein bewaffneter Mann. Ein bisschen unheimlich ist das schon. Doch diese Männer sind nicht die „Bösen“. Im Gegenteil, sie sollen die Bösen vertreiben.

El Salvador Hotel Blumen

Zwischen Papayabäumen und Kolibris

Am nächsten Morgen entblößt sich die Vielfalt El Salvadors: Strahlend blauer Himmel, schon jetzt knapp 30 Grad im Schatten und im Garten blühen die buntesten Blumen, riesige Basilikum- und Rosmarinbüsche, Papayabäume. Und zwischen all dem schwirrt ein kleiner Kolibri auf der Suche nach Nektar umher. So schlimm scheint El Salvador nicht zu sein. Wir fühlen uns wohl. Außerdem schmeckt das Frühstück super: Es gibt frisch gepressten Orangensaft, fluffige Pancakes und morgendliche Tacos – dünne Teigfladen gefüllt mit Bohnenpaste, Rührei, Zwiebeln, Tomate und Koriander.

San Salvador Hotelgarten

Hotelgarten

Unser Hotel

Hotel Cinco* ist wirklich der Wahnsinn. Wirklich. Wir sind restlos begeistert. Die Rezeptionisten sind super nett und total bemüht, genauso wie die Bedienung beim Frühstück. Es gibt vegane Gerichte und, wenn möglich, kommen die Zutaten fürs Essen und Trinken aus dem eigenen riesigen Garten. In diesem gibt es zudem einen kleinen Fischteich und morgens kommt ein kleiner Kolibri vorbei, um von den paradiesischen Blumen zu kosten. Was nicht für die Gerichte auf der Karte verwendet wird, wird im hoteleigenen Obstladen verkauft. Das ganze Hotel ist sehr stilvoll eingerichtet, die Zimmer sind immer sauber und haben natürlich eine Klimaanlage. Wir waren restlos begeistert und hätten nie so ein tolles Hotel erwartet. Deshalb empfehlen wir es aus vollster Überzeugung uneingeschränkt weiter.

San Salvador Hotel

Wir sind eine Attraktion

Irgendwann hat die ganze Hochzeitsgesellschaft, die aus Deutschland mit angereist ist, Lust, das Hotel zu verlassen. Wir  wollen Wasser kaufen. In einer kleinen Gruppe von Gringos laufen wir also in Richtung Supermarkt. „Gringo“ ist der Begriff für Weiße, eigentlich Amerikaner, in Mittel- und Südamerika. Dabei sind wir offenbar eine kleine Attraktion für die Einheimischen. Alle starren uns an.

Klar, wir stechen gut aus der Menge raus mit der weißen Haut und dann sind wir auch noch so viele auf einem Haufen. Viele winken uns zu, auch einige der bewaffneten Männer. Wobei… Vermutlich winken sie nicht uns zu, sondern Karla, der anderthalbjährigen Tochter von Freunden, die auch dabei sind. Ein blondes Baby – das ist hier wohl eher selten.

San Salvador Stadt

Fußmarsch zum Supermarkt ist halb so wild

Der Weg zum Supermarkt ist nicht allzu hübsch. Wir laufen an einer riesigen Baustelle vorbei. Der Staub bleibt in der Nase hängen, weil es so trocken ist. Auf der anderen Straßenseite: Kleine Geschäfte, Cafés, Bars, Restaurants. Erst einmal nicht wirklich anders als andere mittelamerikanische Städte. Die meisten Läden wirken unscheinbar von außen, vor einigen stehen natürlich bewaffnete Männer. Manche Häuser sind etwas runtergekommen, viele haben Wellblechdächer und dreckige Fassaden. Dahinter jedoch ragen meterhohe Hoteltempel aus Glas in die Luft. Ein Eichhörnchen klettert über die Stromleitung, die übrigens aussieht wie in Mexiko oder Asien, total verwurschtelt.

Als wir am Supermarkt ankommen, können wir nicht behaupten, uns unsicher oder unwohl gefühlt zu haben. Im Gegenteil – die meisten Menschen, denen wir bisher begegnet sind, waren sehr freundlich zu uns.

Im Supermarkt gibt es alles, was das Herz begehrt, teilweise auch in riesigen Portionen. Zum Beispiel 1 Kilo Mayonnaise-Packungen oder 2,5 Liter Sprite Flaschen. Wir haben also unseren Fußmarsch in San Salvador überlebt.

San Salvador Markt

Ausflug in San Salvadors Innenstadt – der Markt

San Salvador hat natürlich auch eine Innenstadt. Wir fahren mit einem Taxi mit getönten Scheiben die Haupteinkaufsstraße entlang. Diese teilen sich Fußgänger, Fahrradfahrer, Motorradfahrer und Autos. Einen Fußgängerweg gibt es nicht. Deshalb geht es wuselig zu, die Straße ist komplett voll.

Richtigen Geschäften sind Marktstände vorgelagert. Sie verkaufen alles: Hosen, Röcke, Kleider, T-Shirts, Obst, Gemüse, Süßigkeiten, Zahnpasta, Medikamente und Pupusas. Bei letzterem handelt es sich um das Nationalgericht El Salvadors, eine Tortilla aus Maismehl mit eingebackener Füllung, entweder Bohnenmus, Käse oder Fleisch.

Die Marktstandinhaber zahlen alle Schutzgebühren an die Banden in der Stadt. Florian, der Freund, wegen dem wir hier sind, erzählt uns: Zahlt ein Marktstandinhaber seine Schutzgebühr nicht, ist es schon vorgekommen, dass er mittags vor der Kirche erschossen wurde. Das nennen wir mal Druck am Arbeitsplatz… Wie krass. Als Tourist merkt man von dieser Atmosphäre jedoch nichts. Wir fühlen uns nach wie vor willkommen.

El Salvador Palast

Der Nationalpalast

Wir passieren den Nationalpalast im historischen Zentrum an der 4a Calle Poniente, bisher das schönste Gebäude, das wir in San Salvador gesehen haben. Der Palast ist im klassizistischen Stil Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut worden. Sobald es dämmert, wird er schön beleuchtet. Da wir nicht aus anhalten und aus dem Auto aussteigen, gibt es leider nur seitliche Bilder aus dem Auto von uns.

El Salvador Kirche El Rosario

Die Iglesia El Rosario

Als nächstes schauen wir uns die Kirche Iglesia El Rosario in der 4 Calle Ote an. Von außen sehr unscheinbar und eher nicht so hübsch, kommt die volle Pracht des gewölbten Dachs und der bunten Fenster erst im Innern der Kirche zur Geltung. Denn die durch die farbigen Fenster scheinende Sonne legt einen hübschen Schleier in Regenbogenfarben auf den Altar.

Gleich vor der Kirche liegt die Plaza Libertad.

Da wir allerdings eine Reservierung in einem Restaurant haben und es schon dämmert, steigen wir ins Taxi und fahren weiter, ohne den Platz eingehender zu erkunden.

Wir essen Pupusas und Empanadas im Restaurant El Mistral Planes de Renderos. Eigentlich ein Chilene. Das Restaurant bietet aber auch Pupusas an. Zudem hat es eine wunderschöne Aussicht zu bieten. Man blickt über  San Salvador, im Dunkeln ein Lichtermeer. Zur Unterhaltung versorgt  uns die Köchin selbst mit Live-Musik.

El Salvador Hotel El Rancho

Übernachten auf der Ranch

Nach fast drei Wochen in El Salvador und Belize verbringen wir unsere letzte Nacht in El Salvador im Hotel Rancho Argueta* in San Luis Talpa, in der Nähe des Flughafens, da unser Flug am nächsten Morgen gegen sieben geht. Die Zimmer sind Basic, sehr sauber und gemütlich. Außerdem besitzt das Hotel ein Restaurant, überdacht und ohne Dach im Innenhof. Dieser Außenbereich ist mit einer Lichterkette überspannt und niedlich dekoriert. Da gibt es zum Beispiel einen Brunnen, viele Blumen und Laternen. Und: Ein Teleskop, durch das wir den Mond beobachten. Wahnsinn. Bisher haben wir noch nie durch ein Teleskop geschaut, deshalb sind wir total begeistert. Wir konnten jeden Mondkrater sehen! Das Essen ist zwar nicht ganz so gut, aber für einen Tag in Ordnung.

Mond über El Salvador

Das Bild durchs Teleskop spiegelt nicht annähernd wieder, wie faszinierend der Mond wirklich dadurch aussieht.

Duty Free muss draußen bleiben

Es geht zurück nach Deutschland. Das frühe Aufstehen hätten wir uns am liebsten gespart. Am Flughafen gibt es zum Glück genügend Frühstücksmöglichkeiten. Was es noch gibt: Viel Duty Free-Kram.

Am Flughafen in San Salvador ist es jedoch so: Es gibt zwei Kontrollen. Eine wie es sie an jedem Flughafen gibt, nachdem man sein Flugticket vorgezeigt hat. Und eine direkt am Gate. Das heißt, da legt man noch mal seinen Rucksack in die Plastikschale, zieht noch mal seine Jacke aus, seine Schuhe, leert die Hosentaschen und so weiter. Und man muss noch mal durch einen Metalldetektor. Ihr kennt das.

Die Beamten sind leider sehr strikt, was die Regeln angeht. Oder sie haben sie nicht richtig gelesen. Oder sie wollten einfach selbst was ab haben vom Duty Free. Jedenfalls durfte eine Frau vor uns ihren teuren Rum, den sie im Duty Free-Bereich des Flughafens gekauft hatte und der in eine Duty Free Bag eingepackt war, nicht mit ins Flugzeug nehmen. Bestimmt 90 $ für die Katz. Jegliche Diskussion war zwecklos. Aber gut, dass es einen Duty Free Bereich gibt… 😉 Hoffentlich hat’s den Beamten dann abends geschmeckt.

Schnell durch die Kontrolle, ab an Board und auf Wiedersehen, El Salvador.

Vorurteilen nicht immer Glauben schenken

Letztlich sind es doch immer Vorurteile, die einem ein mulmiges Gefühl geben, bevor man in ein solches Land reist. Natürlich rühren die gerade in El Salvador nicht von ungefähr. Geht man jedoch mit gesundem Menschenverstand an die Sache, ist man vorsichtig und hält sich fern von den entsprechenden Vierteln und zwielichtigen Gestalten, sind El Salvador und seine Hauptstadt, San Salvador, ebenso bereisbar wie andere ähnliche lateinamerikanische Länder.

Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt, was auch damit zu tun hatte, dass Touristen in El Salvador weniger gefährdet sind als Einheimische. Wollt ihr Verhaltenstipps für El Salvador und Tipps, was ihr euch dort anschauen solltet und woran ihr Gegenden erkennt, die ihr besser vermeiden solltet? Dann lest doch unser Interview mit einer Salvadorianerin. Wer kennt das Land besser als eine Einheimische? 🙂  Nächste Woche erfahrt ihr außerdem in unserem El Salvador Reisebericht Teil 2, welche Orte wir uns in diesem von vielen so vorverurteilten Land neben San Salvador noch angeschaut haben.

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